CHRONISCHER SCHMERZ

Rund sechs Millionen Menschen leiden allein in der Bundesrepublik Deutschland an z.T. unerträglichen Dauerschmerzen, die die Lebensqualität nachhaltig beeinträchtigen. Ein chronischer Schmerz stellt für Arzt und Patient eine schwierige Herausforderung dar, da die Entstehungs- und Erscheinungsformen sehr vielfältig sind.

Die Einstellung zum Schmerz hat sich im Laufe der letzten Jahrhunderte entscheidend gewandelt. Während im Mittelalter das Ertragen von Schmerz en oft als Nähe zum Schicksal Jesus Christi erlebt und vom Umfeld gewürdigt wurde und somit das Erdulden von Schmerz en eine ehrenvolle und von Gott auferlegte Bürde war, änderte sich diese Ansicht im Rahmen der Aufklärung und der folgenden Jahrhunderte bis hin zur heutigen Einstellung, daß ein Schmerz, der über ein gewisses Maß hinausgeht und der vor allen Dingen einen gewissen zeitlichen Rahmen überschreitet, eine Art Fehlfunktion des menschlichen Nervensystems und damit eine zu korrigierende Krankheit darstellt.

In der Schmerz therapie unterscheidet man akute Schmerzphasen von chronischen Schmerzer krankungen. Ein akuter Schmerz ist meist durch eine Gewebeschädigung hervorgerufen und geht parallel zur Ausheilung des Gewebeschadens zurück. Er ist daher selbstbegrenzend und erfüllt meist eine sehr sinnvolle Warnfunktion sowie edukatorische Funktionen (= zwingen häufig in eine bestimmte Schonhaltung, sie weisen auf die schädliche Wirkung toxischer Stoffe hin etc.). Die Behandlung akuter Schmerzzustände, einschließlich der postoperativen Schmerz therapie, stellt heute ein gut beherrschbares Problem dar, da die zur Verfügung stehenden Analgetika (= Schmerzmedikamente) in der Regel gut wirksam sind. Bei sehr starken Schmerzzuständen, wie beispielsweise nach einer Operation, kommen häufig auch Opioide (= morphinähnliche Medikamente) erfolgreich zum Einsatz.

Die eigentliche Herausforderung in der Schmerz therapie stellt hingegen ein chronischer Schmerz (= lang andauernde Sch merzen) dar. 1986 wurde von der "Internationalen Gesellschaft zum Studium von Schmerz" (IASP) folgende Definition für den Begriff Schmerz festgelegt: "Schmerz ist ein unangenehmes Sinnes- oder Gefühlserlebnis, das mit aktuellen oder potentiellen Gewebsschädigungen verknüpft ist oder mit Begriffen solcher Schädigungen beschrieben wird". Diese Definition berücksichtigt die Beobachtung, daß es beim Schmerz (chronischer) häufig zu einer Entkopplung des Schmerz es von der Gewebsschädigung kommt bzw. es keine nachweisbare primäre Gewebsschädigung gibt.
Ein Beispiel hierfür ist ein persistierender (= anhaltende) chronischer Schmerz nach einer "gelungenen" Nukleotomie (= Bandscheiben-Operation), d.h. ein Postdiskektomiesyndrom.
Als Beispiel für einen Schmerz (chronischer) ohne ein entsprechendes somatisches (= körperliches) Korrelat sei hier die somatoforme Schmerzstörung genannt. Neuere Daten weisen darauf hin, daß 12 Millionen Bundesbürger in ihrem Leben zumindest vorübergehend unter einer somatoformen Schmerzstörung leiden!

Die Behandlung chronischer Schmerz en wirft erhebliche diagnostische (= Erkundung der Schmerzursache), sozialmedizinische (vor allem arbeitsmedizinische) und therapeutische Probleme auf. Ein chronischer Schmerz wird mit der Zeit zu einem zunehmend eigenständigen Krankheitsbild ("Schmer zkrankheit"), das wie oben erwähnt, häufig weitgehend unabhängig von Gewebsschäden die körperlichen, seelischen und sozialen Fähigkeiten des Patienten zunehmend einschränkt.

Aufgrund dieser komplexen Problematik entstand zunehmend das Bedürfnis nach einer zusätzlichen Qualifikation zur Betreuung von Patienten mit einem chronischen Schmerz. 1996 wurde von der Bundesärztekammer in Deutschland die Zusatzbezeichnung "spez ielle Schmerz therapie" verabschiedet. Diese Zusatzqualifikation kann von patientenorientierten Fachärzten erworben werden und setzt eine 80-stündige standardisierte theoretische Weiterbildung sowie die hauptamtliche ganztägige Arbeit in einem Ausbildungszentrum für "Spezielle Schmerz therapie" (Schmerzklinik) für mind. 1 Jahr voraus. Die Zusatzbezeichnung "Spezielle Schmerztherapie" wird erst nach einer mündlichen Prüfung seitens der Landesärztekammer vergeben. Leider gibt es immer noch Bundesländer, in denen die Landesärztekammer die Zusatzbezeichnung "spez ielle Schmerz therapie" trotz der Empfehlung der Bundesärztekammer noch nicht eingeführt hat.
Der Chefarzt der
Schmerz klinik am Ar kauwald hat die volle Weiterbildungsermächtigung.

Folgende Krankheitsbilder werden sinnvollerweise von Fachärzten mit Zusatzbezeichnung „spez ielle Schmerz therapie“ behandelt/mitbehandelt:

Kopfschmerzen: Migräne mit Aura, Migräne ohne Aura, Cluster-Kopfschmerz,

Spannungskopfschmerz, paroxysmale Hemikranie

Gesichtsschmerz: Trigeminusneuralgie, atypischer Gesichtsschmerz,

Costen-Syndrom (myofaziale Dysfunktion), Dentalgie (= Zahnschmerz)

Rückenschmerzen: Zervikobrachialgie (mittleres und unteres HWS-Syndrom

Zervikozephalgie, (oberes HWS-Syndrom), BWS-Syndrom,

LWS-Syndrome, Beckenringsyndrom, Postdisketomiesyndrom

(= Schmerz en nach einer Bandscheibenoperation), Lumboischialgie, Ischiasbeschwerden

Piriformissyndrom, Sakralgie, Koccygodynie (= Steissbeinschmerz)

Gelenkschmerz: Periarthritis humeroscapularis, chronifiziertes

Impingement-Syndrom, Ellenbogenschmerzen, Epicondylopathia

radialis und ulnaris („Tennisellenbogen / Golferarm“),

Handgelenksschmerzen und Fingerschmerzen, Schmerz en bei Heberdenarthrose,

Bouchard-Arthrose, Coxarthrose, Gonarthrose,

Schmerz en der Sprung- und Fußgelenke

Muskuläre Schmerzsyndrome: Fibromyalgie, generalisiertes myofasziales Schmerzsyndrom

Ansatztendinose, Tortikollis spasticus (= Schiefhals)

Entzündliche Schmerzerkrankungen: bes. rheumatischer Formenkreis

Neuropathischer Schmerz (= durch Nervenschäden verursachter Schmerz):

Stumpfschmerzen und Phantomschmerz, Kausalgie (CRPS Typ II), Schmerz en

nach Schlaganfall, Schmerz en bei kompletter oder inkompletter

Querschnittsyndrom (zentrale Schmerzsyndrome), Schmerz en bei Plexusausriss,

Schmerz en nach Leistenhernienrevisionen mit Nervenschädigungen,

Polyneuropathie, postzosterische Neuralgie (= Gürtelrose), Interkostalneuralgie

und andere Neuralgien

Sympathalgie (= vom sog. autonomen Nervensystem ausgehende Schmerz en):

Sudeck Dystrophie (CRPS Typ I), Kausalgie (CRPS Typ II)

Viszerale Schmerzsyndrome: insbesondere Bauchschmerz bei

Verwachsungsbauch sowie bei nicht eindeutig zuzuordnenden und

daher nicht kausal (= ursächlich) angehbaren Bauchschmerzen

Ischämischer Schmerz (= Schmerz aufgrund schlechter Durchblutung) ohne Möglichkeit

einer kausalen (= auf die Ursache gerichteten) Therapie bzw. Begleittherapie

Tumorschmerzen

Psychogene Schmerzerkrankungen: somatoforme Schmerzstörung

Algogenes Psychosyndrom (= beschreibt die Eingrenzung und Zentrierung

des persönlichen Erlebens auf die Schmerzerkrankung)

Die „spezielle Schmerztherapie“ ist aufgrund der Beeinträchtigung sowohl körperlicher als auch seelischer und sozialer Fähigkeiten durch eine chronische Schmerzerkrankung auf multimodale Therapiekonzepte ausgelegt. D.h., daß neben körperlichen Therapien wie Medikamenten (u.a. Schmerzmittel, Psychopharmaka), Spritzentherapien, Krankengymnastik, anderen körperlichen Anwendungen, Chirotherapie, oder Akupunktur auch psychologische Verfahren zu Schmerzbehandlungen eingesetzt werden sollten. Hierbei haben sich insbesondere Entspannungstechniken (Progressive Muskelentspannung nach Jacobson und Autogenes Training) sowie die Auseinandersetzung mit Verfahren der Schmerzbewältigung als sinnvoll herausgestellt. Da solche Therapiekonzepte bzw. solche Schmerz -Behandlungen sehr aufwendig und kostspielig sind, sind oft ambulante Schmerzbehandlungen - besonders in Zeiten der Kosteneinsparung im Gesundheitswesen - nicht durchführbar.

Auf der Internetseite http://www.die-gesundheitsreform.de/gesundheitssystem/themen_az/infoblaetter/rehabilitation/index.html?param=st teilt das Bundesministerium für Gesundheit mit, daß seit dem 1.4.07 alle gesetzlich krankenversicherte Personen jetzt einen Rechtsanspruch auf eine Rehabilitation (damit auch auf eine Schmerzrehabilitation) haben und sich ihre Rehabilitationseinrichtung sogar selbst aussuchen können.

- Für Sie waren wir sehr fleißig -
Zu weiteren (fast allen) Schmerzthemen gelangen Sie hier: www.schmerz.com/schmerzthemen (einfach nur anklicken)

Aktualisiert:>03.04.2008</>

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